Wisst ihr schon, wie ihr euer vorweihnachtliches „Get together“ im Team verbringt?

Diese Frage stellten sich neulich Teilnehmer*innen im Moderationsseminar. Wir waren gerade dabei, uns die Widerstandsabfrage – auch bekannt als systemisches Konsensieren – näher anzuschauen. Wie oft in diesen Momenten kam die Frage auf, worin eigentlich der Mehrwert dieser Methode läge.

Ich fing an zu erläutern, dass das etwas mit kleinem Lieblingsbereich versus größerem Toleranzbereich zu tun hätte. Und je mehr Menschen an einer Entscheidung beteiligt sind, um so kleiner wird der gemeinsame Nenner – daher lohnt es sich, Entscheidungen im generell größeren Toleranzbereich anzustreben. So richtig wollte der Funke aber nicht überspringen.

Und dann haben wir sie einfach ausprobiert. Die Ausgangsfrage: Wie wollen wir unsere Weihnachtsfeier dieses Jahr verbringen? Zuerst wurden Antwortalternativen gesammelt, dann die Abstimmungsskala noch mal geklärt (👍 = kein Widerstand bis 🖐 = extremer Widerstand). Es folgte die Abstimmung – jede Alternative wurde von jeder Person hinsichtlich ihres persönlichen Widerstands bewertet. Das Ergebnis: Gemeinsam kochen trifft in Summe auf den geringsten Widerstand!

Die Skepsis war allerdings immer noch spürbar im Raum. Und die Teilnehmer*innen kamen von sich auf die Idee: Kommt, wir probieren das jetzt auch noch mal mit einer Zustimmungsabfrage 👍 aus. Jede*r erhält drei Punkte, die sie*er vergeben kann – für drei unterschiedliche Ideen oder gewichtet. Das Ergebnis dieses Mal: Die höchste Punktzahl erhält Keramik bemalen!

Der Unterschied: Während bei der Zustimmungsabfrage drei der sechs anwesenden Personen für das Ergebnis gestimmt haben – und ungeklärt bleibt, wie die anderen dazu stehen – wurden bei der Widerstandsabfrage alle Meinungen berücksichtigt. Das Ergebnis liegt für alle im Toleranzbereich.

Nach diesem Vergleich war die Skepsis verflogen. Der Mehrwert der Widerstandsabfrage war für alle nachvollziehbar.

Und ihr? Stimmt ihr noch zu oder trefft ihr gemeinsam differenzierte Entscheidungen über die Widerstandsabfrage? Teamevents sind eine sehr gute Gelegenheit, diese Methode gemeinsam auszuprobieren.

„Meine Sicht ist eine andere“

Ich habe einen kleinen Augenblick gebraucht, bis ich diesen Satz lesen konnte. Entdeckt habe ich ihn an einem Haus in Brixen als ich am Eisack entlang spazierte. Ein kleiner Moment, der mich mal wieder daran erinnert hat, wie sehr wir häufig in unseren eigenen Gedanken und Sichtweisen unterwegs sind. Prinzipiell ist das in Ordnung – so lange wir gleichzeitig offen für andere Perspektiven sind. Genau das scheint uns aber immer wieder schwer zu fallen. 

Als Teamcoachin und Moderatorin ist es mein Job, einen Raum für den gemeinsamen Dialog zu schaffen. Eine Herzensangelegenheit, da ich davon überzeugt bin, dass wir nur so Veränderung und Transformation gemeinsam bewältigen können. Neben vielen methodischen Ansätzen, von denen ich einige hier schon vorgestellt habe, setze ich in nahezu jedem der von mir moderierten Settings einen kleinen kommunikativen Rahmen.

Früher habe ich noch von Kommunikationsregeln gesprochen. Mittlerweile sind daraus folgende „Prinzipien des Miteinanders“ geworden:

  • Hört euch aufmerksam zu.
  • Lasst einander ausreden.
  • Seid neugierig.
  • Differenzen sind okay.

Mit den ersten beiden Sätzen möchte ich vor allem den Fokus darauf setzen, sich auf die Worte des Gegenübers zu konzentrieren und die eigenen Gedanken zurückzuhalten. Wem dies schwer fällt, dem empfehle ich, etwas zu schreiben parat zu haben und sich Notizen zu machen. Es geht nicht darum, Perspektiven zu unterbinden, sondern ihnen nacheinander den angemessenen Raum zu geben.

Mit dem dritten Satz ziele ich darauf ab, offen für andere Meinungen zu sein und sich auf die andere Sicht einzulassen. Und gleichzeitig – und das meint Satz vier – ist es absolut in Ordnung, nicht einer Meinung zu sein. Das braucht es häufig nicht. Es geht sehr viel mehr darum, allen Sichtweisen einen angemessenen Raum zu geben und sich dadurch respektvoll zu begegnen.

Diese Prinzipien geben eine Richtung vor, ohne – anders als Regeln – allzu dogmatisch zu wirken. Nachdem ich die vier Sätze kurz erläutert habe, stelle ich zwei Fragen:

  • Gibt es Einwände gegen diese vier Prinzipien?
  • Gibt es Ergänzungen, die wir mit aufnehmen sollten?

Einwände habe ich bisher noch nie erlebt. Menschen wünschen sich ein respektvolles Miteinander und holen meist genau deswegen sich eine externe Moderation hinzu. Ergänzungen gibt es durchaus und nehme ich nach kurzer Abstimmung in der Runde mit auf.

Ein kleiner Hack, wie „Meine Sicht ist eine andere“ ihren Raum erhält. 

Konflikte vorbeugen mittels Erwartungsklärung

Aktuell begleite ich mehrere (Führungs-)Teams dabei, zusammenzufinden und ihre Zusammenarbeit für sich zu organisieren. Ein sehr einfaches Tool, was dabei gut unterstützen kann, ist die Erwartungsklärung (mein Dank geht an Isabel Kresse von RESOUL, die mir davon erstmals erzählt hat). Es hilft die eigenen Erwartungen zu reflektieren und damit besprechbar zu machen.

In folgenden Kontexten habe ich damit bereits gearbeitet:

  • Rollenklärung einer Organisationseinheit: In diesem Fall ging es darum, auf die Erwartungen aus organisatorischer Sicht zu schauen. Was können Kolleg*innen anderer Hochschulbereiche von der Einheit erwarten? Und wofür ist sie nicht zuständig? Und umgekehrt: Was braucht die Organisationseinheit von anderen Bereichen oder Kolleg*innen, um einen guten Job machen zu können? Und worauf können sie verzichten? Alle Führungskräfte haben für sich die vier Fragen beantwortet, anschließend die Ergebnisse zu zweit verdichtet, bevor wir sie in der gesamten Gruppen zusammengetragen und abgestimmt haben
  • Zusammenarbeit im Führungsteam: In diesem Fall haben alle Führungskräfte die vier Fragen auf sich und ihre Führungsrolle reflektiert und beantwortet. Anschließend hat jede Person ihre Gedanken geteilt. Auf dieser Basis werden u.a. schnell Gemeinsamkeiten und individuelle Bedürfnisse sichtbar. Eine gute Basis, um anschließend darüber ins Gespräch zu kommen, welche gemeinsamen Strukturen und Prinzipien es braucht, um gut zusammenarbeiten zu können.
  • Auch im Rahmen meiner eigenen Auftragsklärung mit Kund*innen nutze ich die Fragen – oder einen Teil davon.

Gegenseitige Erwartungen sind ja immer da. Sie sind uns nur nicht immer bewusst. Diese simple Übung hilft, die eigenen Erwartungshaltung zu reflektieren. Möglichkeiten und Grenzen werden sichtbar. Die Transparenz hilft, gemeinsame Lösungen, Kommunikationsstrategien, Prinzipien etc. zu vereinbaren. Und all das beugt wiederum Konflikte vor, da unterschiedliche Perspektiven von Anfang an berücksichtigt werden können.

In welchen Kontexten würdet ihr die Erwartungsklärung einsetzen?

Arbeitsblatt: Folgende vier Fragen einer Erwartungsklärung werden darauf dargestellt:
oben-links: Was ich von dir in der Zusammenarbeit erwarte. 
oben-rechts: Was ich nicht von dir in der Zusammenarbeit erwarte. 
unten-links: Was du von mir in der Zusammenarbeit erwarten kannst. 
unten-rechts: Was du nicht von mir in der Zusammenarbeit erwarten kannst.