Gestern startete nun eines der wohl schönsten Ruhr.2010-Projekte in seine heiße Phase: Punkt zwölf Uhr Mittags stiegen bei strahlendem Sonnenschein im gesamten Ruhrgebiet 311 gelbe Ballone (52 davon allein in Essen) gen Himmel, um ehemalige Schachtanlagen zu kennzeichnen. Als Freiwillige war ich hautnah beim Schacht Langenbrahm 3 (Essen-Rüttenscheid) dabei. Ein tolles Erlebnis. In dem etwas versteckten Wendehammer versammelten sich ca. 20-30 Personen, um den erstmaligen Aufstieg des Ballons zu erleben. Und der Besucherstrom ließ nicht nach. Dabei ist Langenbrahm 3 wohl tendenziell eher einer der langweiligeren Standorte, gibt es dort weder ein Bierpilz, noch einen Grill, noch sonst irgendeine festliche Aktivität.
Dennoch waren die Menschen neugierig, kamen aus der nahen Wohnsiedlung vorbei und fragten nach den Hintergründen zur ehemaligen Zeche. Ältere Menschen besuchten uns und erzählten von ihren Kindheitserlebnissen, berichtete davon, dass sie früher mit dem Opa in der Kantine essen waren, dass sie hier Kohle geholt habe, was Vater oder Opa von der Arbeit unter Tage berichteten und klärten uns über die exakten Standorte auf (wir stehen nicht exakt auf dem ehemaligen Schacht, sondern unmittelbar vor der ehemaligen Halde, die aber mittlerweile auch schon abgetragen ist). Einige erklärten sich sogar bereit, nochmal vorbeizukommen und Kopien noch vorhandener Dokumente, wie der Gründungsurkunde aus dem Jahr 1772 oder alte Fotos vorbeizubringen.
In Langenbrahm 3 erinnert heute tatsächlich nichts mehr an die frühere Zeche. Mittlerweile befindet sich dort ein Industrie- und Wohngebiet, ein Teil des Geländes wurde renaturiert. Dabei handelt es sich wohl um eine der ältesten Zechen der Region. 1772 wurde sie bereits gegründet und förderte ununterbrochen bis Ende der 40er/Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Zur Zeche selbst zählt neben dem Schacht 1/3, den wir markieren auch noch der Schacht 2 in Rellinghausen, der durch ein eigenes SchachtZeichen markiert wird - dieser wurde erst 1966 geschlossen.
Ich denke, es lohnt sich, in der kommenden Woche einen Ausflug in das Ruhrgebiet zu wagen, bei einem SchachtZeichen vor Ort vorbeizuschauen und mit den Besucherinnen/Besuchern sowie Helfer/innen ins Gespräch zu kommen als auch auf einen der vielen Aussichtspunkte zu fahren, um gleich mehrere "Stecknadeln" gleichzeitig zu sehen. Auf der Projektwebsite findet man für die eigenen Planungen einen interaktive Karte mit allen Standorten, Standortinformationen zu den einzelnen Schächten, einen Veranstaltungskalender für das Treiben unter dem Ballon sowie eine Übersicht über empfohlene Aussichtspunkte.