Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass ich das erste Mal über "gendersensitive Mediendidaktik" berichtet habe. Dies geschah, weil ich im Rahmen meiner Arbeit mit der Planung eines gendersensitiven E-Tutoren/Tutorinnen-Training betraut wurde. Es folgten einige weitere Blogeinträge, in denen ich mich mit dem Thema und der Übertragung der gendersenstiven Mediendidaktik auf ein E-Tutoren/E-Tutorinnen-Training auseinandergesetzt habe.
Endlich ist der Videomitschnitt von Heike Wiesners Vortrag am 04.06.2008 in Duisburg online. Er kann hier aufgerufen werden.
Ich habe in den letzten Wochen und Monaten ja schon häufiger über die mögliche Umsetzung einer gendergerechten Lernumgebung anhand der 10 Gender Mainstreaming-Regeln von Heike Wiesner geschrieben. Eine Zusammenfassung meiner Ideen, die ich im Gender & E-Tutoring-Training umgesetzt habe, ist nun auch auf dem Duisburger Genderportal in einem PDF zu finden.
Sodele, und abschließend noch einen Linktipp: Der hessische Bildungsserver stellt eine Linksammlung zum Thema "Gender & Neue Medien" zur Verfügung, auf der sich unter anderem nützliche Links zu Arbeitsmaterialien, Didaktik & Methodik und und und ... befinden. Ein Klick lohnt sich.
Nach ein paar Wochen Pause wird es nun endlich Zeit, meine Mini-Serie zu den 10 Gender-Mainstreaming-Regeln abzuschließen. Die beiden letzten Regeln 9 "vielfältige interaktive (moderierte) Kommunikationsangebote" und 10 "Vergabe eines „Zertifikats“ für die erfolgreiche Teilnahme an dem Lernmodul" werden daher zusammengefasst.
Im Rahmen des E-Tutor/in-Trainings wurden folgende Kommunikationsangebote gemacht, um der Regel Nr. 9 nachzukommen:
Und um auch der 10. Regel gerecht zu werden, wird an alle Teilnehmenden nach aktiver & erfolgreicher Teilnahme an beiden Semestern (Theorie & Praxis) ein universitäres Zertifikat verliehen. Mehr muss hierzu wohl nicht gesagt werden ;-)
Sodele, heute mal wieder etwas zu den 10 Gender Mainstreaming Regeln - die Nr. 8 ist ist dran: Vielseitige, flexible, interaktive und lebensnahe Lernangebote. Ich denke, diese Regel erklärt sich schon fast von selbst und ist wie einige andere Regeln auch ohne besondere Berücksichtigung des Gender Mainstreaming Gedankens sinnvoll. Daher nur in Kürze meine Interpretation und Umsetzung dieser Regel.
Die zur Verfügung gestellten Materialien sind vielfältig und umfangreich, teilen sich in Pflicht- und Zusatzmaterialien auf und bestehen aus wiss. Literatur, Projektberichte, Videos, Podcasts als auch interessanten Internetlinks - quasi alles, was ich an interessanten Materialien finden konnte. Darüber hinaus sind viele der Lernaufgaben möglichst alltagsnah gestaltet (z.B. durch Rollenspiele) und bieten einen umfangreichen Lösungsspielraum an (z.B. kann der Einsatz der verwendeteten Kommunikations- und Kollaborationstools völlig frei gewählt werden).
Heute mal ein kleiner Hinweis für die interessierten Leser/innen aus der Region. Zwei Kolleginnen organisieren zzt. den Workshop
"Gender | Wissen | Managen".
Der Workshop findet am Mittwoch, 04.06.2008 um 14 Uhr im Gerhard-Mercator Haus am Campus Duisburg statt. Anmeldungen bis zum 28.05 an Eva Wegrzyn.
Für diesen Workshop konnte Frau Prof. Dr. Heike Wiesner für einen Vortrag gewonnen werden:
"Prof. Dr. Heike Wiesner, Gastprofessorin am Harriet Taylor Mill-Institut, Berlin, wird in ihrem Eröffnungsvortrag "Web 2.0 und Diversity in Lern- und Arbeitskontexten" der Frage der Akzeptanz und kreativen Nutzung von Informationstechniken in Arbeits- und Lernkontexten nachgehen. Darüber hinaus wird die Nutzung des Gender-Portals der UDE als Arbeitsinstrument zur Umsetzung von Gender Mainstreaming in dem Workshop vorgestellt und diskutiert."
Nachdem ich nun einiges von Frau Prof. Dr. Wiesner gelesen habe und ihr ein sehr guter Ruf bezüglich ihrer Vorträge voraus eilt, würde ich selbst sehr gerne zu diesem Workshop hingehen. Mein Pflichtbewusstsein steht dem jedoch entgegen, denn zeitgleich findet eines meiner E-Tutoring-Trainings statt. Daher habe ich aus purem Eigennutz meinen Kolleginnen vorgeschlagen, einen Videomitschnitt des Vortrags zu organisieren und diesen anschließend ins Netz zu stellen. Der Vorschlag wurde freudig aufgenommen, insofern hoffe ich, dass ich in wenigen Wochen an dieser Stelle auf das Video verweisen kann und nicht nur ich sondern auch entfernt wohnende Interessierte daran dennoch teilhaben können.
Es wird Zeit, mal wieder etwas zu den 10 Gender Mainstreaming Regeln zu schreiben. Heute ist die 7. Regel dran, das genderbewusste didaktische Lernkonzept.
Vorab ein paar Informationen zur weiblichen bzw. männlichen Lernkultur, entnommen einer Handreichung des Gender Networking zum Thema "Technikkompetenzen in Gesundheitsberufen".
Frauen haben eine kooperative Tendenz, während Männer eher zu dominaten Verhalten im Unterricht neigen. Frauen übernehmen eher die "eigentliche" Gesprächsarbeit, während Männer diese steuern. Männern neigen zu häufigeren und längeren Redebeiträgen, Frauen hingegen zeigen eine generelle Offenheit für andere Vorschläge und Kooperationsbereitschaft. Frauen zeigen eher Diskussionbereitschaft und geben anderen Hilfestellungen, während Männer dazu neigen, eine Durchsetzungstrategie zu entwickeln. Männer tendieren dazu, Konkurrenzen aufzubauen und diese zu pflegen, Frauen hingegen achten auf eine gerechte Verteilung von Aufgaben und bevorzugen Gruppenarbeit.
Hierbei handelt es sich um Erkenntnisse aus einem Forschungsprojekt. Auch wenn diese Ergebnisse natürlich nicht pauschal auf jede Frau und jeden Mann bezogen werden sollten, weisen sie dennoch sehr deutlich auf die unterschiedlichen Tendenzen hin. Und eben diese Unterschiede müssen im Rahmen eines gendergerechten didaktischen Lernkonzept berücksichtigt werden. Was heißt das nun konkret?
Kurz zusammengefasst möchte ich sagen: Viel Abwechslung! Damit werden dann nicht nur die Geschlechterunterschiede aufgefangen, sondern auch unterschiedliche Lerntypen, kulturelle Hintergründe etc. Konkret fällt darunter die Berücksichtigung ...
Wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, dem kann ich folgende (kleine Auswahl) an Quellen empfehlen:
Bei meinen Ausführungen zu der 5. GM-Regel "Lernziel-Meta-Plan" bin ich ja schon teilweise auch auf den zeitlichen Faktor eingegangen. Korrekterweise geht es in dieser Regel ja nur um die Darstellung der Lerninhalte und Lernziele. Ich persönlich fasse aber auch den zeitlichen Aspekt darunter, da dieser im Zweifel Auskunft über die Tiefe und Intensität geben kann, mit der die Inhalte behandelt werden.
Laut den Gender Mainstreaming Regeln handelt es sich aber bei der Auskunft über den zeitlichen Umfang um eine eigenständige Regel, weshalb ich heute darauf noch etwas detaillierter eingehen möchte. Heike Wiesner hält in ihrem Artikel "Online Learning (zu) leicht gemacht? Gender- und Diversity-Aspekte als Durchgangspunkt für erfolgreiches Gestalten von Lernmodule" fest, dass
"[eine] Zeitskala, die den Umfang der Lern-, Kurs- und Übungseinheiten angibt,
- [...] eine individuelle Kursplanung ( "Full Time/Part Time Study") [ermöglicht]
- [...] die Community-Bildung unter Studierenden [unterstützt]
- [...] die - gendergerechte - Kursbindung durch Planungssicherheit (auf allen Seiten) [erhöht]
- [...] den Studierenden von Anfang an (!) die Möglichkeit, sich für oder gegen den Kurs zu entscheiden, [gibt]
- [...] einen an die Lernvoraussetzungen und -interessen gebundenen Kurseinstieg der Studierenden [ermöglicht]."
Aus meiner Sicht sind das Gründe, die nicht nur unter Berücksichtigung des Genderaspekts dafür sprechen, den Teilnehmenden möglichst viele Informationen über mögliche Bearbeitungszeiten etc. zu geben. Ich habe mich daher für folgende Maßnahmen entschlossen.
Damit erhalten die Teilnehmenden immer an den passenden Stellen Informationen darüber, wie viel Zeit sie in etwa zur Bearbeitung der Aufgabe benötigen und bis wann diese abgeschlossen sein muss, um sich entsprechende Zeitzonen dafür schaffen zu können.
Die 5. Regel zur Gestaltung eines gendergerechten Lernmoduls besagt, dass das entsprechende Lernmodul einen übersichtlichen Einblick über alle und in allen Lernmodulen (Lernziel-Meta-Plan) bietet.
Diese Regel dient als Entscheidungs- und Planungsgrundlage. Durch einen übersichtlichen Einblick auf alle Lerninhalte soll es z.B. möglich sein, sich selbst folgende Fragen beantworten zu können :
Informationen, die auf diese Fragen Antworten bieten, verhelfen dazu, sich für oder gegen das Lernmodul zu entscheiden. Darüberhinaus kann auf Basis der Informationen geprüft werden, ob die Durchführung des Lernmoduls unter den gegebenen Lebensumständen realistisch durchführbar ist oder ob zusätzliche Freiräume dafür geschaffen werden müssen. Es handelt sich somit also um Informationen für das individuelle Zeit- und Organisationsmanagement - unabhängig davon, ob sich der Vater in Elternzeit weiterbilden möchte oder die Geschäftsfrau, die den Großteil ihrer Zeit in Hotels verbringt.
Ich habe diese Regel im Rahmen des geplanten "Gender & E-Tutoring"-Trainings beispielsweise wie folgt umgesetzt.
Kurze, abschließende Bemerkung noch: Die Regeln lassen sich - zumindest aus meiner Sicht - nicht immer ganz eindeutig voneinander trennen bzw. losgelöst voneinander betrachten. Daher bin ich nun schon in der Beschreibung der 5. Regel ein wenig auf den Aspekt der zeitlichen Auskunft eingegangen, der eigentlich erst in der 6. Regel betrachtet wird. Ich bin der Meinung, dass der Zeitaspekt eines Lernmoduls ein wichtiger Bestandteil für einen allgemeinen Überblick über das gesamte Lernangebot darstellt und somit auch an dieser Stelle schon genannt werden sollte. Ausführlichere Erläuterungen folgen aber noch im nächsten Blogeintrag ;-).